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Ihr Arbeitszeugnis – wie müssen Sie es lesen?

Freitag, 27.April 2018

Ihr Arbeitszeugnis – wie müssen Sie es lesen?

Das Arbeitsverhältnis ist beendet, Sie halten erleichtert Ihr Arbeitszeugnis in den Händen. Sie lesen unter anderem, dass Sie ein gewissenhafter Mitarbeiter waren. Auf den ersten Blick denken Sie, dass Sie damit zufrieden sein können. Das hört sich doch sehr positiv an. Andererseits haben Sie bereits häufiger von einem Zeugniscode gehört. Will der Arbeitgeber vielleicht etwas Anderes aussagen als da schwarz auf weiß steht?

Wie Ihnen geht es täglich vielen Arbeitnehmern, die ein Arbeitszeugnis erhalten. Sie sind sich unsicher, ob Ihnen ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde oder ob der Arbeitgeber verdeckt Kritik übt. Lesen Sie im Folgenden, was es mit bestimmten Formulierungen in Arbeitszeugnissen tatsächlich auf sich haben kann und wo Sie Hilfe bei der Interpretation erhalten.

Das Arbeitszeugnis muss klar formuliert sein

Eine der ungeschriebenen Anforderungen an das Arbeitszeugnis ist eine klare, verständliche Formulierung. So weit, so gut. Problematisch ist, dass der Begriff “klar” auslegungsfähig ist. Ausserdem sind mit der Zeit eine ganze Reihe gängiger Floskeln und Standardformulierungen in Gebrauch gekommen, wenn es um Arbeitszeugnisse geht. Eine eigene Zeugnissprache hat sich entwickelt. So ergeben sich auf dieser Ebene viele Missverständnisse. Diese werden geradezu unlösbar wenn, der Zeugnisschreiber codierte Floskeln benutzt und der Leser des Zeugnisses den Code nicht versteht. Andererseits kann der Zeugnisaussteller auch in bester Absicht codierte Formulierungen in vermeintlicher Klarsprache einsetzen, der Leser aber einen Code interpretieren. Seriöse und faire Arbeitgeber versehen das Arbeitszeugnis mit dem Zusatz, dass sie keinen Zeugniscode einsetzen. Das tun aber längst nicht alle. Wie also vorgehen beim Lesen des Arbeitszeugnisses?

Typische Fallen der Zeugnissprache

Ebenso verwirrend wie typisch für Zeugnisfloskeln ist, dass es für Ihre Interpretation auf den Gesamtzusammenhang ankommt. Oft ist ein Fakt besonders interessant, der nicht erwähnt wird. Deshalb muss man sich auch die nächsten Sätze nach einer bestimmten Floskel ansehen. Der oben beispielhaft genannte Satz “Er war ein gewissenhafter Mitarbeiter” steht, wenn er ohne weitere Zusätze und allein verwendet wird, regelmäßig codiert für eine schlechte Leistungsbewertung. Bekennt sich der Zeugnisaussteller zu einer uncodierten Sprache und führt er oben genannten Satz noch weiter aus, kann es sich um eine positive Bewertung im Sinne des tatsächlich Gesagten handeln.

Ähnliches gilt für Auslassungen an Stellen, zu denen man Aussagen erwartet, etwa beim Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Hier ist die Auslassung eher negativ zu bewerten. Allerdings ist der Gesamtkontext entscheidend. Zum Beispiel lässt eine freundlich formulierte Schlussfloskel “Wir danken X für die Arbeit in unserem Unternehmen und die gute Zusammenarbeit und wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute” erkennen, dass der Arbeitnehmer insgesamt geschätzt wurde.

Bei der Leistungsbewertung kommt es auf jedes Wort an. So steht “Er hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt” für die denkbar beste Bewertung. Dagegen sind die Leistungen gerade noch ausreichend, wenn so formuliert wird: “Er hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit erledigt.”

Lassen Ihr Arbeitszeugnis vom Experten prüfen

Sie haben einen Anspruch auf ein wohlwollend und ansprechend formuliertes Arbeitszeugnis. Dieses Zeugnis empfiehlt Sie für eine Anstellung bei einem neuen Arbeitgeber, wenn es gut ist. Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann Ihnen bei der Stellensuche Probleme bereiten. Unsere Anwälte prüfen das Zeugnis – zum Fixpreis – und beraten Sie auch über mögliche weitere Schritte, wenn eine Zeugniskorrektur nötig ist. Wir lassen Sie nicht allein im Dschungel der Zeugnissprache.

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