Schlechtes Arbeitszeugnis? Das müssen Sie nicht hinnehmen!

Mittwoch, 09.November 2016
Schlechtes Arbeitszeugnis? Das müssen Sie nicht hinnehmen!

Arbeitszeugnisse sorgen häufig noch für Verdruss beim Arbeitnehmer, wenn ein Arbeitsverhältnis bereits beendet ist. Da entspricht das Arbeitszeugnis offen nicht den Erwartungen oder enthält kodierte Andeutungen, die den Arbeitnehmer schlecht dastehen lassen. Oftmals hat der Arbeitnehmer auch nur ein diffuses Gefühl, dass sein Arbeitszeugnis ihm keine gute Bewertung ausstellt.
Wir beschreiben im Folgenden, nach welchen Kriterien ein Arbeitszeugnis objektiv einzuschätzen ist. Außerdem erfahren Sie, wie Sie gegen ein nicht gerechtfertigtes oder inhaltlich falsches Arbeitszeugnis vorgehen können.

Der allgemeine rechtliche Rahmen beim Arbeitszeugnis

Ein Arbeitszeugnis ist in der Regel ein sogenanntes Vollzeugnis, das bis ins Detail über die Leistungen und das Verhalten des Arbeitnehmers Auskunft gibt. Diese inhaltlichen Anforderungen gelten sowohl für das Schlusszeugnis bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses als auch für ein Zwischenerzeugnis, das auf Verlangen des Arbeitnehmers während eines laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt wird. Das Arbeitszeugnis ist abzugrenzen von der Arbeitsbestätigung, die nur über die Funktion des Arbeitnehmers, seine Personalien und die Dauer der Anstellung Auskunft gibt. Nach § 330 im Schweizerischem Obligationenrecht (OR) kann der Arbeitnehmer jederzeit ein Zeugnis verlangen. Der Gesetzgeber hält das Arbeitszeugnis für wichtig, der Anspruch auf dessen Ausstellung verjährt deshalb erst 10 Jahre nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses.

Entscheidende Prämissen für das Arbeitszeugnis

Vier grundsätzliche Stichworte sind bei der Ausstellung eines Arbeitszeugnisses zu beachten:

1. Arbeitszeugnisse müssen wahr sein.
Die Inhalte im Arbeitszeugnis müssen also den objektiven Tatsachen entsprechen. Bei Wertungen, die ein solches Zeugnis zwangsläufig enthält, kann der Ermessensspielraum des Arbeitgebers bei der Formulierung für rechtliche Auseinandersetzungen sorgen. Bei einer gerichtlichen Prüfung bewertet das Gericht bei diesen Wertungen, ob das Ermessen überschritten und branchenübliche Massstäbe verletzt wurden. Es zählen die Umstände des Einzelfalls.
2. Sie müssen wohlwollend formuliert und charakteristisch treffend sein.
Hier findet ebenfalls eine Ermessenssabwägung statt. Der Arbeitgeber muss bestimmte Vorfälle nach ihrer Bedeutung für das gesamte Arbeitsverhältnis gewichten.
3. Arbeitszeugnisse sind klar abzufassen.
Aus diesem Prinzip folgt bereits, dass eine kodierte Zeugnissprache nicht zulässig ist. Die Grenzen unklarer Floskeln sind dennoch oft schwer zu ziehen, zumal bestimmte Formulierungen vielfach in Gebrauch sind. Wer sich hier nicht auskennt und Zweifel hegt, sollte sich nicht scheuen, anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen.
4. Sie müssen vollständig sein.
Arbeitszeugnisse sollten alles enthalten, was für das Arbeitsverhältnis wesentlich und charakteristisch ist. Da auch dieser Grundsatz auslegungsfähig ist und einen Ermessensspielraum enthält, entzünden sich hier bevorzugt rechtliche Streitigkeiten. Es geht dann etwa um die Frage, ob der Austrittsgrund in das Zeugnis aufgenommen werden soll, wenn die Umstände der Beendigung des Arbeitsverhältnisses bereits kontrovers verlaufen sind.

Was gehört nicht in das Arbeitszeugnis

In keinem Fall darf das Arbeitszeugnis Angaben enthalten:

  • zu Fehlzeiten, Urlaubs- oder Krankheitstagen.
  • zur Höhe von Lohn und Gehalt.
  • zu Partei- oder konfessionellen Zugehörigkeiten.
  • zu privaten Angelegenheiten des Arbeitnehmers.
  • zu Verdächtigungen hinsichtlich strafbarer Handlungen.

Die Zeugnisklage

Der aussergerichtlichen Streitbeilegung ist in Zeugnissachen der Vorzug zu geben. Besonders wenn kompetente Rechtsanwälte mit dem Arbeitgeber über eine Korrektur des Arbeitszeugnisses verhandeln, sind oft in kurzer Zeit gute Ergebnisse zu erreichen. Eine Zeugniskorrektur kann auch vor dem zuständigen Gericht mit der Zeugnisklage erstritten werden. Solche Verfahren dauern aber regelmässig längere Zeit. Das Gericht wird eine wohlwollende Formulierung unter beidseitiger Interessenabwägung anstreben, was am Ende vielfach ein nicht immer gelungener Kompromiss ist. Meist benötigt der Arbeitnehmer das Zeugnis schnell, um sich auf neue Stellen zu bewerben. Stellt sich ein Arbeitgeber stur, so kann es sogar nötig werden, den Anspruch auf die Zeugniskorrektur vollstrecken zu lassen. Drohungen mit Schadensersatzansprüchen gehen oft ins Leere, weil sie schwer durchzusetzen sind.

Mit dem Arbeitszeugnis erst zu uns

Kommen Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis zu uns. Unsere Anwälte prüfen es gründlich zum Fixpreis auf Fehler und Aussagen, die Ihnen zum Nachteil werden können. Ist der Text ungerechtfertigt oder die Form unangemessen, beraten sie Sie kompetent und zielführend über die weiteren Möglichkeiten. Es ist unser Bestreben, Ihnen schnell zu Ihrem Recht zu verhelfen. Zum Fixpreis.

Weitere Beiträge