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Wie unterscheiden sich Bonus, Gratifikation und Provision?

Sonntag, 24.März 2019

Wie unterscheiden sich Bonus, Gratifikation und Provision?

Variable Lohnanteile liegen im Trend. Neben einem festgelegten Lohnanteil wollen viele Arbeitgeber zum Beispiel mit verschiedenen Boni zusätzliche Leistungsanreize für ihre Arbeitnehmer schaffen und den Lohn zu einem Teil an das unternehmerische Geschäftsergebnis koppeln. Dabei ist es gar nicht einfach, den Überblick über die verschiedenen Lohnbestandteile zu behalten. Lesen Sie hier mehr oder lassen Sie sich eine kostenlose Erstberatung von einem spezialisierten Anwalt geben.

Das Fixum als Ausgangsbasis

Das sogenannte Fixum ist der Lohnanteil, der im Arbeitsvertrag in bestimmter Höhe vereinbart wird. Eben dieser vereinbarte Betrag wird monatlich ausbezahlt, rechtlich und faktisch unabhängig vom Geschäftsergebnis. Auf Seiten des Unternehmens handelt es sich dabei also um fixe und berechenbare Kosten. Sie sind Teil einer strukturierten Lohnabrechnung mit vorhersehbaren Elementen.

Fixer Lohnbestandteil ist in der Regel auch ein 13. Monatsgehalt, sofern die Parteien hier keine Abkehr von der Pro-Rata Regelung und damit der fixen Auszahlung vereinbart haben. Zum Lohn gehört außerdem ein fest vereinbarter Anteil am Geschäftsergebnis. Von einem Anteil am Geschäftsergebnis ist auszugehen, wenn der Mitarbeiter durch Arbeitsvertrag einen berechenbaren Anteil am Geschäftsergebnis des ganzen Unternehmens oder einer einzelnen Abteilung zugewiesen bekommt. Wenn von Stundenlohn die Rede ist, bezieht sich das ebenfalls auf den regulären, fixen Lohn. Rechtlich gesehen wird das Fixum vertraglich bedingungslos geschuldet.

Die Provision

Auch die Provision gehört zum Lohn. Sie weist eine Verwandtschaft zum vereinbarten Anteil am Geschäftsergebnis auf. Anders als der Anteil bezieht sich die Provision aber auf einzelne Geschäfte, beziehungsweise auf komplexe Beziehungen zum Gesamtumsatz. Meistens wird die Provision in einem bestimmten Prozentsatz an den durch den jeweiligen Mitarbeiter erzielten Umsatz gekoppelt. Provisionsvereinbarungen finden sich zum Beispiel in der Umsatzentlohnung des Servicepersonals im Gastgewerbe oder im Maklerbereich. Die Provision wird als fester Lohnbestandteil in der vereinbarten Berechnungsweise ebenfalls ohne Bedingungen geschuldet, wenn die Voraussetzungen der Provisionsregelung erfüllt sind.

Der Bonus und die Gratifikation

Boni und Gratifikationen haben gemeinsam, dass sie regelmässig in das Ermessen des Arbeitgebers gestellt sind. Gerade die Definition des Begriffes “Bonus” ist dabei schwierig, denn das Schweizer Obligationenrecht kennt diesen Terminus nicht. Ebenso wenig ist das auch oft gebräuchliche Wort “Incentive” rechtlich definiert. Hier kommt es also darauf an, was das einzelnen Unternehmen dazu regelt und wie es diese Begriffe für sich definiert. Oft finden sich dabei sehr individuelle und umfassende Festlegungen, die sich von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden. Folgende Grundsätze gelten für Boni und Gratifikationen im Allgemeinen:

Boni setzen sich aus einer individuellen Bewertung des einzelnen Mitarbeiters zusammen. Dabei spielt neben der Leistungsbewertung meist auch das Unternehmensergebnis eine Rolle. Der Bonus hat einen “Geschenkcharakter”. Er ist nicht berechenbar. Hier grenzt er sich von einem Anteil am Geschäftsergebnis ab. Der Bonus ist nicht bedingungslos geschuldet.

Gratifikationen sind freiwillige Leistungen, die in aller Regel anlassbezogen zugewendet werden, zum Beispiel zum Jahresende oder bei Erreichen eines bestimmten Jahres der Betriebszugehörigkeit. Manche Gratifikation wird fest vereinbart, was mit einem zusätzlich festgelegten Pro-Rata Anspruch zu einer Art bedingungsloser Leistung führt. Die Abgrenzung zum Anteil am Geschäftsergebnis liegt bei der Berechenbarkeit der jeweiligen Leistung. Während die Gratifikation nicht berechenbar ist, ist es der Anteil am Geschäftsergebnis.

Die praktische Bedeutung der rechtlichen Einordnung von Bonus und Co.

Die Unterscheidung zwischen einem Bonus, einer Gratifikation und anderen Lohnbestandteilen ist keine akademische Frage. Unter anderem hängt von der rechtlichen Bewertung eines Lohnbestandteiles ab, ob ein Anspruch auf eine bestimmte Zahlung in einer bestimmtem Höhe gegen ein Unternehmen besteht, die auch mit einer Lohnklage ohne weiteres geltend gemacht werden kann. Der Bonus als Ermessensleistung mit sehr individuellen Voraussetzungen ist rechtlich oft nicht leicht greifbar. Variable Lohnbestandteile bieten auch bei der Lohnabrechnung Herausforderungen, so dass es dabei leicht zu Fehlern kommen kann. Das trifft umso mehr zu, wenn Akonto-Zahlungen geleistet werden und später eine Gesamtabrechnung erfolgen muss.

Lassen Sie sich deshalb im Zweifel kostenlos eine erste rechtliche Einschätzung von Lohnbestandteilen geben oder Abrechnungen rechtlich prüfen. Ein in diesem Bereich spezialisierter Anwalt wird Sie ausserdem zu Ihren Ansprüchen und weiteren rechtlichen Möglichkeiten beraten.

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