Kostenvoranschlag beim Werkvertrag - verbindlich oder nicht?
Offerte anfragen Paket buchen

Kostenvoranschlag beim Werkvertrag – verbindlich oder nicht?

Freitag, 01.Juni 2018
Kostenvoranschlag beim Werkvertrag – verbindlich oder nicht?

Vermutlich kennen Sie die folgende Situation: Sie haben einen Handwerker damit beauftragt, für Sie einen Gartenzaun aus Holz zu bauen. Dabei wollten Sie auf der sicheren Seite sein, was die Kostenfrage angeht und haben deshalb vorab um einen Kostenvoranschlag gebeten. Sie haben auch eine entsprechende Offerte erhalten, müssen aber bei der Endabrechnung feststellen, dass letztere nach oben von dem Kostenvoranschlag abweicht. Jetzt fragen Sie sich, ob denn nicht der Kostenvoranschlag als verbindlich anzusehen war und Sie den Mehrbetrag zahlen müssen.

Diese Frage stellen Sie sich nur, wenn der Fall der Kostenüberschreitung eintritt. Sie müssten sie sich aber öfters stellen, da viel mehr Ihrer Alltagsgeschäfte auf einem Werkvertrag beruhen als Sie denken. Dabei holen Sie (unwissend) nicht immer einen Kostenvoranschlag ein, obschon Sie könnten. Hier soll nun aber aufgezeigt werden, wie die Situation/Verbindlichkeit aussieht, wenn tatsächlich einmal ein Kostenvoranschlag vorliegt.

Wie häufig in vertraglichen Angelegenheiten kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an, ob der Handwerker betragsmässig von der Offerte abweichen darf oder nicht.

Grundsätzliches zum Kostenvoranschlag beim Werkvertrag

Wer bei einem Handwerker ein Werk in Auftrag gibt, schuldet am Ende den Werklohn. Dieser kann bei Abschluss des Vertrages zwischen den Parteien verbindlich vereinbart werden. Dann handelt es sich um einen sogenannten Fixpreis. Wird dieser Fixpreis im Kostenvoranschlag angegeben, kann der Handwerker später bei der Endabrechnung in der Regel nicht nach oben von diesem abweichen. Wird in einem Kostenvoranschlag ein Fixpreis angegeben, ist die Offerte insoweit verbindlich. Probleme in der Abwicklung von Werkverträgen ergeben sich meist dann, wenn es für den Auftraggeber nicht eindeutig zu erkennen ist, ob in dem Kostenvoranschlag ein Fixpreis vereinbart worden ist oder nicht.

Der unverbindliche Kostenvoranschlag

Tatsächlich behalten sich Handwerker vielfach in ihren Kostenvoranschlägen die endgültige Berechnung des Werklohns vor. Manche nehmen das in den Text des Kostenvoranschlags auch deutlich auf. Da heisst es zum Beispiel “Mehrkosten und Preisabweichungen bleiben vorbehalten”. In anderen Texten wird der Vorbehalt in Klauseln wie” Berechnung nach tatsächlichem Aufwand” “Berechnung nach Regie” oder ähnlichem versteckt. Viele potentielle Auftraggeber wissen nicht, dass sich hinter diesen Sätzen die Unverbindlichkeit der Offerte verbirgt. Auch können sich für beide Seiten bei der Durchführung des Werkvertrages Unsicherheiten ergeben, wenn der Handwerker nicht genau bezeichnet, worauf sich möglicher Mehraufwand bezieht. Geht es etwa um zusätzlich anfallende Materialkosten oder um mehr Zeitaufwand? Oder geht es um beides? Unklarheiten führen häufig zu nachfolgenden Auseinandersetzungen zwischen den Parteien, wenn es um die Begleichung der Rechnung geht. Manche Konsumenten wollen von ihrer Seite her keinen Fixpreis vereinbaren. Sie nehmen zu Recht an, dass sie am Ende zu viel bezahlen könnten, wenn der Auftraggeber weniger Aufwand hat als geplant. Schliesslich wird der Auftragnehmer bei einem Fixpreis auch nicht nach unten vom Preis abweichen.

In welcher Höhe darf eine Endabrechnung von der Offerte abweichen?

Ist ein Fixpreis vereinbart – man spricht hier häufig auch von einem Pauschalpreis – darf der Auftragnehmer in der Endabrechnung regelmässig nicht vom vereinbarten Preis nach oben abweichen. Etwas anderes kann nur gelten, wenn die Vertragsparteien während der Vertragsdurchführung Veränderungen an der Preisabsprache einvernehmlich vornehmen, weil sich besondere Umstände ergeben haben. Diese sollten dann aber in aller Regel auch schriftlich fixiert worden sein. Bei unverbindlichen Kostenvoranschlägen darf der Auftragsnehmer ohne umfassende Begründung um 10 % vom veranschlagten Preis abweichen.  Abweichungen, die nach oben darüber hinausgehen, gelten als übermässige Kostenüberschreitungen, die einer gesonderten Begründung und Darlegung bedürfen.

Ist der Kostenvoranschlag beim Werkvertrag seinerseits kostenpflichtig?

In der Regel sind Offerten nicht kostenpflichtig. Wenn sie allerdings besonders aufwendig zu erstellen sind, etwa weil der Auftragnehmer vor Ort umfangreiche Erkundungen vornehmen muss, dann kann er die Kosten für die Offerte in Rechnung stellen, sollte er den Auftrag nicht bekommen.

Weniger Probleme mit dem Werkvertrag durch klare Absprachen

Faire Auftragnehmer klären über die Verbindlichkeit oder Unverbindlichkeit ihrer Offerte auf. Sie lassen es den Auftraggeber auch wissen, welche Kosten mit dem Kostenvoranschlag auf ihn zukommen. Sollte sich ein potentieller Auftragnehmer vor einem Vertragsschluss zu diesen Punkten nicht oder nicht deutlich äussern, sollten Sie sich nicht scheuen, genau nachzufragen und fragliche Punkte mit einer Unterschrift beider Vertragspartner schriftlich zu fixieren. Das mindert das Risiko, am Ende böse Überraschungen zu erleben und sich über den Rechnungsbetrag auseinandersetzen zu müssen.

Haben Sie konkrete Fragen zu einer Handwerkerrechnung? Möchten Sie die Rechtsverbindlichkeit eines handwerklichen Kostenvoranschlages prüfen lassen?

FragDenAnwalt hilft Ihnen, mit nur wenigen Klicks eine juristische Einschätzung von einem spezialisierten Anwalt einzuholen. Mit unserem Fixpreis-Paket Ansprüche aus Werkvertrag prüfen erhalten Sie effizient und kostentransparent Unterstützung von einem Profi.

Lassen Sie jetzt Rechnungen und Angebote anwaltlich prüfen und kennen Sie Ihre Ansprüche. Sie können auf FragDenAnwalt auch schnell und einfach Offerten von verschiedenen Anwälten für Ihr konkretes Rechtsproblem einholen. Erhalten Sie bis zu 3 Offerten von verschiedenen Anwältinnen und Anwälten mit nur wenigen Mausklicks. Vergleichen und sparen Sie viel Geld.

 

Weitere Beiträge

Einfach zum richtigen Anwalt

Wir holen für Sie bis zu 3 genau auf Ihre(n) Bedürfnisse / Fall zugeschnittene Offerten von geprüften Schweizer Anwältinnen und Anwälten ein. Sie müssen diese nur noch vergleichen und können dann das beste Angebot auswählen.

FragDenAnwalt hat für Sie auch schon vorgefertigte Pakete zusammengestellt mit denen Sie schnell und einfach Hilfe bekommen. Alle Pakete sind klar definiert und haben einen fixen Preis. Somit gibt es keine bösen Überraschungen.

Für die Benutzung dieser Website sind Cookies nötig. Impressum und Datenschutz